Der vorausschauende Versand

Zuletzt aktualisiert am 18. Oktober 2018 um 11:32

Eine Besessenheit von Amazon ist die noch schnellere Lieferung.

Der vorausschauende Versand: Wie Amazon Bestellungen beeinflussen will.

Als Jeff Bezos seine Idee bekannt gab, mit Hilfe von Drohnen innerhalb von 60 Minuten zu liefern, wurde er von vielen verspottet. Nun hat Amazon eine neue Idee, bei der es um die Erweiterung bereits bestehender Technologie und Logistik geht und deren Einsatz wahrscheinlicher scheint.

Patentgenehmigung

Im Jahr 2012 meldete Amazon ein Patent an, dessen Abstract in etwa wie folgt lautet: Verpackung eines oder mehrerer Elemente als Paket zum späteren Versand an eine Lieferadresse, die Wahl eines geografischen Zielgebietes, in das das Paket versandt werden soll, Versand des Pakets in dieses geografische Zielgebiet ohne vollständige Angabe einer Lieferadresse zum Zeitpunkt des Versands, während das Paket in Bewegung ist, wird die endgültige Lieferadresse für das Paket bestimmt. Im Dezember 2013 wurde das Patent genehmigt.

Ziel ist es, die Anzahl der Artikel zu erhöhen, die am nächsten oder noch am gleichen Tag der Bestellung ausgeliefert werden können.

Der sogenannte vorausschauende Versand, ist eine Methode die auf Big Data und vorausschauenden Analysen beruht, erahnend, was der Kunde will, noch bevor er selbst weiß, dass er es will. Artikel würden an lokale Knotenpunkte geliefert, an denen diese sich nach Meinung von Amazon gut verkaufen werden.

Das Wall Street Journal berichtete zuerst von der Genehmigung dieser Patentanmeldung und meldete, dass Amazon vorausschauende Analysen verwenden wird, um zu erfahren, was eine Person bestellen könnte. Vorherige Bestellungen eines Kunden, Produktsuchen, Wunschlisten und die Zeitspanne, die auf bestimmten Websites verbracht werden, würden in diese Vorhersage einfließen, was ein Kunde wünschen könnte. Sogar wenn man lange mit dem Mauszeiger über einem Element auf einer Website verweilt, könnte demnach bei Amazon den Versand eines Artikels auslösen.

Logistik

Vorabversand an Knotenpunkte oder Lagerhallen ist nicht neu. E-Commerce Händler nutzen seit vielen Jahren Bedarfsprognosen, die auf historischen Daten aus vielen Jahren beruhen. Viele Einzelhändler lagern bestimmte Artikel in den Sortierzentren ihrer Versandpartner wie etwa UPS und FedEx. Im Gegensatz dazu nutzt Amazon nun aktuelle Daten und Algorithmen und versucht vorherzusagen, was ein Kunde bestellen könnte.

Mehr noch, Amazon könnte das Konzept Vorversand auf eine völlig neue Ebene heben. Amazon schließt nicht aus, tatsächlich einen Artikel auf einen LKW zu laden und an eine physische Adresse zu liefern. Dies wird sicher zu unerwünschten Lieferungen und Rücksendungen führen, doch Amazon glaubt, dass viele Menschen die Artikel behalten und dafür bezahlen werden. Noch befasst sich Amazon nicht damit, wie die Zahlung für einen Artikel eingefordert werden kann, der nie bestellt wurde.

Amazon gibt an, wenn ein Kunde die Zahlung verweigert, könnte die Lieferung dieser Sendung an diesen Kunden als Werbegeschenk deklariert werden. Wenn die Produkte zu lange auf eine Bestellung warten müssen, könnte Amazon auch Rabatte für Kunden in der lokalen Umgebung dieser Produkte in Wartestellung anbieten.

Es ist durchaus möglich, dass der vorausschauende Versand zu Verärgerungen bei Kunden führen könnte, die diesen Prozess anstößig finden. Die Kosten für Rücksendungen und Werbegeschenke könnten die Kosten von Amazon erheblich erhöhen.

Das Unternehmen könnte den vorausschauenden Versand auf seine Prime Mitglieder beschränken, da diese ohnehin eine jährliche Gebühr für kostenlosen Versand bezahlen. Amazon könnte seinen Prime Mitgliedern einen zusätzlichen Vorteil anbieten, besonders wenn Amazon den jährlichen Beitrag für Prime erhöht.

Warum macht Amazon das?

Wenn die Kundenresonanz gut ist, hätte Amazon einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, was die Lieferzeit anbelangt. Nur wenige Online Einzelhändler haben die Ressourcen, es mit den Logistikfähigkeiten von Amazon aufzunehmen. Amazon hat mehrere Hundert Millionen Dollar in neue Warenhäuser und in Verbesserungen seiner Logistikabläufe investiert und will seine Investitionen in diesem Bereich weiter maximieren.

Amazon verfolgt das Ziel, noch effektiver mit konventionellen Einzelhändlern zu konkurrieren und die Bedürfnisse seiner Kunden nach sofortiger Befriedigung zu erfüllen.

Bei Target zum Beispiel können Kunden Artikel online bestellen und diese am gleichen Tag in lokalen Läden abholen. Traget sendet seinen Kunden eine E-Mail, sobald der Artikel abholbereit im lokalen Laden steht. Kürzlich hat Target testweise damit begonnen, Online-Bestellung von lokalen Läden aus zu versenden.

Amazon wird wahrscheinlich den vorausschauenden Versand in einigen regionalen Märkten testen, bevor dieser national in den USA eingesetzt wird. Ebenso verfährt Amazon gerade auch mit Amazon Fresh, einem Lieferservice für Lebensmittel.

Obwohl das Patent eine unkomplizierte Versandinnovation ist, wird der vorausschauende Versand wohl ein Test dafür, wie viel Einfluss ein Einzelhändler auf seine Kunden ausüben kann.

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