Wie Walmart und Target gegen Amazon bestehen wollen

Walmart und Target wenden sich dem Onlinehandel zu. Eine Bemühung, die sich auf schwacher Ladenperformance gründet und dieser entgegenwirken soll.

Amazon hat in den vergangenen Jahren Milliardensummen investiert, um sein Netzwerk an Distributionszentren zügig zu erweiterten und auszubauen.

Walmart und Target kontern mit Versand-aus-dem-Laden

Mit dem Einsatz von Robotern, um auch jede noch so kleine Verbesserungen von Ineffizienzen zu erreichen, hat der E-Commerce Platzhirsch einen bedeutenden Vorteil gegenüber traditionellen Einzelhändlern entwickelt.

Unternehmen wie Walmart und Target haben ihrerseits Jahrzehnte damit verbracht, riesige Distributionsnetzwerke aufzubauen, allerdings sind diese Netzwerke darauf ausgerichtet, Produkte in die Regale von stationären Läden zu bringen und nicht an des Kunden Haustür.

Walmart Distribution Center Bentonville. Walmart und Target gegen Amazon. Quelle: Walmart.com
Walmart Distribution Center Bentonville.
Walmart und Target gegen Amazon.
Quelle: Walmart.com

Heute versuchen beide, Walmart und Target, sich dem Onlinehandel zuzuwenden, eine Bemühung, die sich auf schwacher Ladenperformance gründet und dieser entgegenwirken soll.

Während Walmart und Target mittlerweile Distributionszentren zur Abwicklung von Online Bestellungen errichtet haben; Walmart will in 2015 etwa 1,5 Mrd. USD in E-Commerce Initiativen investieren; verblassen diese Netzwerke jedoch im Vergleich zu Umfang und Reichweite der Amazon Fulfillment Center.

Traditionelle Einzelhändler haben in diesem Kampf jedoch einen entscheidenden Vorteil, den der Online Einzelhändler Amazon nicht so einfach wettmacht, und beide, Walmart und Target, beginnen langsam dieses Potential zu erkennen.

Genau das, was im Zeitalter des E-Commerce häufig als Belastung verstanden wird, physische Läden also, wird nach und nach wieder als Wertgegenstand erkannt und wahrgenommen.

Walmart und Target: Läden zu Distributionszentren

Der direkte Versand von Online Bestellungen aus Läden heraus ist keine neue Idee.

Macy’s tut das bereits seit Jahren und Best Buy baut seine Initiative Versand-aus-dem-Laden mit großem Erfolg aus.

Walmart begann diese Idee 2012 zu testen und versendet heute Online Bestellungen aus bislang 83 Supercentern.

Target begann 2014 und bis heute sind 136 Läden so ausgerüstet, dass sie Online Bestellungen abwickeln können.

Target: Martinsburg. Walmart und Target gegen Amazon. Quelle: Target.com
Target: Martinsburg.
Walmart und Target gegen Amazon.
Quelle: Target.com

Die mit Robotern bestückten Amazon Fulfillment Center mögen effizienter sein, aber die Versand-aus-dem-Laden Initiativen haben drei große Vorteile:

Erstens:

Die Initiative erlaubt es Walmart und Target, ihre E-Commerce Aktivitäten mit bereits bestehenden Liegenschaften auszubauen.

Freilich sind Walmart und Target aktiv dabei Online Distributionszentren zu errichten, aber die Versand-aus-dem-Laden Initiative erlaubt es den Einzelhändlern weniger zu investieren, während sie die notwendigen Kapazitäten, um Online Bestellungen abzuwickeln, weiter ausbauen.

Walmart wies für 2014 E-Commerce Umsätze in Höhe von 12,5 Mrd. USD aus.

Für 2016 erwartet das Unternehmen eine Steigerung um 25% und bis 2018 geht man gar von Zuwächsen von bis zu 40% (!) aus.

Aktuell wickelt Walmart ca. 20% seines E-Commerce Geschäfts über die zuvor erwähnten 83 Supercenter ab.

Zweitens:

Die Initiative Versand-aus-dem-Laden macht den Ladenbestand für den E-Commerce Kanal verfügbar.

Best Buy beschleunigte bspw. seine Online Verkäufe teilweise dadurch, dass man die Fälle minimierte, in denen Artikel online nicht verfügbar waren.

Ist ein Artikel in den Online-Distributionszentren von Walmart und Target nicht verfügbar, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er im Regal eines Ladens, ganz in der Nähe des Kunden sitzt.

Während Walmart und Target ihre Versand-aus-dem-Laden Programme ausbauen, heißt die primäre Herausforderung Logistik; Überwachen des Warenbestandes über die verschiedenen Kanäle hinweg sowie die Streckenplanung von Online Bestellungen zu der am besten geeigneten Lokalität.

Der Erfolg könnte jedoch signifikant sein, wenn nämlich weniger Online Kunden ihre Bestellungen aufgrund nicht verfügbarer Artikel verlassen.

Und schließlich Drittens:

Die Initiative Versand-aus-dem-Laden hat das Potential, Versandzeiten zu reduzieren.

Walmart hat seine Versandgeschwindigkeit seit 2012 um 15% erhöht.

Weitere Steigerungen werden nur möglich sein, wenn das Unternehmen die Zahl der Läden erhöht, die an der Initiative teilnehmen.

Best Buy soll Amazon bereits Anfang 2014 bei den Versandzeiten geschlagen haben, dank Versand-aus-dem-Laden konnte eine dramatische Verbesserung erreicht werden, als die Initiative kontinuierlich ausgebaut wurde.

Walmart und Target, eine Bedrohung für Amazon?

Kasse bei Walmart. Walmart und Target gegen Amazon. Quelle: Walmart.com
Kasse bei Walmart.
Walmart und Target gegen Amazon.
Quelle: Walmart.com

Jeder große Einzelhändler, der ernsthaft versucht seine Online Verkäufe zu erhöhen, ist eine Bedrohung für Amazon.

Es spielt dabei keine Rolle, wie viele Roboter durch die Amazon Fulfillment Center schwirren, wenn Walmart und Target eine Bestellung aus einem Laden zu einem Kunden versenden können, der nur wenige Kilometer von diesem Laden entfernt wohnt.

Es hilft auch nicht, dass Amazon nicht länger die günstigsten Online-Preise bietet.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sowohl Walmart als auch Target günstigere Preise in den Hauptkategorien Kleidung, Elektronik und Haushaltswaren bieten.

Wenn Walmart und Target nun gewillt sind, mit den Preisen ihres Online Konkurrenten gleichzuziehen, dann scheint jeder Preisvorteil, den Amazon einst hatte, verschwunden.

Gleichwohl testet Amazon derweil den Einstieg in lokale Standorte. Erst im Februar wurde eine erste Abholstation auf dem Campus der Purdue Universität eröffnet. Weitere sollen folgen.

Zudem ist Amazon wohl gerade dabei ein paar Ladengeschäfte der insolventen Radioshack zu übernehmen.

Versand-aus-dem-Laden erlaubt es Walmart und Target sowie jeden anderen großen Einzelhändler am E-Commerce Spiel teilzunehmen, ohne die horrenden Investitionen von Amazon aufholen zu müssen.

War Amazon in den vergangenen Jahren das dominante Online Einkaufszentrum, ist nun endlich ernsthafte Konkurrenz in Form traditioneller Einzelhändler eingetroffen.

Seit 2014 trägt das Centrum für Digitales Handeln (CfDH) mit seinem Gründer Alexander Dominguez dazu bei, das Geschäft von Unternehmen im digitalen Umfeld einfacher zu gestalten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert